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Traditionelle Baukultur auf Samoa und Fidschi

Projektleitung: Ao. Univ. Prof. DI Dr. Erich Lehner, Ao. Univ. Prof. DI Hermann Mückler, DI Dr. Ulrike Herbig
Projektkoordination: DI Dr. Andrea Rieger-Jandl
Partner: Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, Universität Wien; University of the South Pacific, Suva /Fiji; National University of Samoa, Apia /Samoa
Projektform: Interdisziplinäre Exkursion, Feldforschung, Publikation, Filmdokumentation
Laufzeit: 2002-2004
Buchpublikation: Erich Lehner, Hermann Mückler, Ulrike Herbig (Hg.), 2007: Das architektonische Erbe Samoas, Neuer Wissenschaftlicher Verlag, Wien. Buchbeiträge Andrea Rieger-Jandl: „Architektur und Ethnologie. Über den Sinn interdisziplinären Arbeitens“, S 18-31; “Modernisierung vs. Tradition: Rezente Veränderungsprozesse in der Baukultur Samoas”, S 318-351

Das Projekt “Das architektonische Erbe Samoas” wurde als Pilotprojekt interdisziplinärer Untersuchungen indigener Architekturtraditionen gestartet. Dokumentiert wurden die Bautradition auf den samoanischen Inseln Upolu und Savai´i im wandelnden Umfeld der aktuellen soziokulturellen und technologischen Gegebenheiten.

Das Forschungsteam, bestehend aus zwei Professoren, vier AssistentInnen und 13 Studierenden der Uni Wien und der TU Wien, war vom 4. Februar bis 3. März 2002 unterwegs. Ihre Route: 2 Wochen Samoa (davon die meiste Zeit auf der Hauptinsel Upolu, 4 Tage in einem Dorf auf der zweiten großen Insel Savai`i), 5 Tage Neuseeland, 10 Tage Fidschi (Hauptinsel Viti Levu). Ziel war die baudokumentarische Erforschung der traditionellen Baukultur.

Das feuchtheiße Klima und das uneingeschränkte Bekenntnis zu Fortschritt und Wohlstand beschleunigen den Verfall der architektonisch einzigartigen, traditionellen Bauten Samoas und Fidschis. Bis dato liegen noch kaum wissenschaftlichen Untersuchungen über die Entwicklung und den Bestand indigener, sprich traditioneller Architektur im südpazifischen Raum vorliegen.

Die traditionelle Bauweise auf den beiden Inseln unterscheidet sich grundlegend. Während in Samoa die Häuser prinzipiell ohne Wände gebaut wurden und somit kein Platz für Privatsphäre vorhanden war, dominierten auf Fidschi abgeschlossene Räumlichkeiten.

Interessant ist, dass auf Samoa sozusagen von oben nach unten gebaut wurde. Die Bausubstanz bestand aus komplexen Holzkonstruktionen, die Verbindungen wurden mittels Kokosfasern hergestellt, als Deckungsmaterial dienten Zuckerrohr und Palmblätter. Das tropische, feuchtheiße Klima hat zur Folge, dass die Häuser nach etwa 20 Jahren verfallen, wenn die bislang üblichen, permanenten Instandhaltungsarbeiten nicht mehr regelmäßig durchgeführt werden. In ihrem Streben nach Fortschritt setzt der Großteil der Dorfoberhäupter uneingeschränkt auf „modernen“ Wohnbau. Darunter sind vor allem filigrane Fertigteilhäuser à la USA zu verstehen. Dadurch geht viel Wissen um die traditionelle Bauweise verloren, und es ist heute kaum noch ein Handwerker zu finden, der die alten Techniken beherrscht. Nur vereinzelt weisen transformierte architektonische Elemente noch auf die Formen der Vergangenheit hin.

Die traditionelle Architektur auf Fidschi bestand, und besteht in vereinzelten Fällen noch immer, aus einem einfachen Rechteck-Grundriss, fensterlosen Wänden aus Mattengeflecht und einem steilen Dach mit Zuckerrohrdeckung. Die Höhe des Sockels der Häuser gab Auskunft über den Status einer Familie. Aber auch hier gilt, dass Klima und der unaufhaltsame Fortschrittgedanke die Architektur über die Jahre verändert oder sogar vernichtet haben.

Letztendlich halten aber auch die modernen Technologien und der Wertewandel Einzug bei der Bevölkerung des Pazifischen Raumes. Telefon und Internet, Prestigedenken, das Haus als Statussymbol und die Bedeutung, die Neuem zugeschrieben wird, beeinflussen die Architektur der Südsee. Nicht immer stellt das Neue eine Verbesserung des Traditionellen dar. Trotzdem gewinnen auch im Bau neue Technologien und Materialien immer mehr an Bedeutung – auch wenn sie nicht immer unmittelbar positive Auswirkungen auf die Lebensqualität haben. Beispiel: erhebliche Hitzeentwicklung in den Wellblechhäusern.

Als vorrangige Methode der Bauaufnahme wurde die Expeditionsphotogrammetrie eingesetzt. Die Expeditionsphotogrammetrie relativ simpel und vor allem sehr schnell. Das zu erfassende Objekt wird mit Markierungspunkten versehen und überlappend fotografiert. Die grafische Ausarbeitung kann dann in aller Ruhe später erfolgen. Einziger Nachteil: die Auswertung zur Erstellung der Pläne dauert relativ lange.

Ethnologie-StudentInnen der Universität Wien haben begleitend zur architektonischen Bestandaufnahme die Bedeutung der indigenen Bauweise für das soziale Leben in Fidschi und Samoa untersucht. Auffallend, aber nicht verwunderlich ist, dass die Veränderung der Bauweise starken Einfluss auf das soziale Leben der ansässigen Bevölkerung hatte und noch immer hat. In Samoa beispielsweise verschwinden die traditionellen Versammlungs- und Gästehäuser und machen neuen, geschlossenen Bauten Platz, die für Fortschritt, “Mehr-Wert” und eine neu entdeckte Privatheit stehen.

2 Buchbeiträge von Andrea Rieger-Jandl: „Architektur und Ethnologie – über die Sinnhaftigkeit interdisziplinären Arbeitens“ und „Rezente Veränderungsprozesse in der Baukultur Samoas“, S 19-31

Link: file:///D:/Documents/a_Eigene%20Dateien_1999-2008/Eigene%20Dateien%202003/Uni/Samoa_Fiji/Forschungshomepage-Dateien/a-fidschi.html

Dokumentarfilm: Herbig, Ulrike und Rieger-Jandl, Andrea (Hg.): Südseearchitektur – Bautraditionen auf Samoa und Fidschi, 45 Minuten. Präsentation: 26.6.2003 im Schikaneder-Kino, Wien; Ausstrahlung: 18.8.2003 in ORF Bayern Alpha Austria

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