Lehrzugang

Ziel in der Lehre ist es, den kreativen Ideen der Studierenden auf die Sprünge zu helfen: Ideen, die sich aus einem fundierten Kontext heraus entwickeln können und damit das Potential haben für Innovation, für geistige Purzelbäume, für die Freiheit, sich über disziplinäre Grenzen hinweg zu setzen und unbekanntes Terrain zu beschreiten.

Die Architekturdisziplin ist per se kein starres Konstrukt. Über die technische Kernkompetenz hinaus sind es die künstlerisch-gestalterischen Aspekte sowie die gesellschaftliche Verantwortung, die das Konglomerat der Architektur definieren. Im heutigen Wirrwarr globaler Spannungsfelder ringt die Architektur nach Luft und versucht, obwohl von Natur aus träge, mit ihrer nicht-physischen Umgebung Schritt zu halten.

Die Ansprüche, die heute an die Architektur gestellt werden, sind mannigfaltig: Dauerhaft muss sie sein, aber auch flexibel, schön, aber auch angepasst, modern, aber doch gemütlich, nachhaltig und vor allem leistbar. Bei dieser Vielfalt an Ansprüchen, die nicht selten zu einer gewissen Orientierungslosigkeit führt, finde ich es in der Lehre sinnvoll, auf die Ursprünge der Architektur zurück zu gehen, sozusagen die `Muttersprache der Architektur´ zu lehren, um das Gebaute von allen Schnörkeln zu befreien und das Essenzielle, das Notwendige wieder erkennbar zu machen. Hier wäre die grundlegende Frage zu stellen: Wieviel Architektur brauchen wir überhaupt? Und warum?

Ein Denken in Zusammenhängen fordert eine holistische, weltweite Interpretation architektonischer Verknüpfungen und ihrer reziproken Einflussfaktoren. Lehrziel ist es, zu einem Denken in größeren Dimensionen anzuregen und über die Beschäftigung mit globalen Entwicklungstendenzen in der Architektur diese Zusammenhänge und Einflussfaktoren zu erfassen. Dabei ist es mir wichtig, Architekturlehre nicht auf einzelne Gebäude zu fokussieren, sondern den Umgang mit der gebauten Umwelt als eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu betrachten. Das sozio-kulturelle Umfeld, die alltagstaugliche Produktion, die unmittelbare Verbindung aus Mensch, Lebensweise und gebauter Umwelt steht dabei im Vordergrund.

Um hier Antworten zu finden ist eine transdisziplinäre Arbeitsweise (Vorlesung `Architektur transdisziplinär´) unumgänglich, eine Einbettung der Architektur in das lokale Umfeld (Vorlesung `Architektur im sozio-kulturellen Kontext´) ist erforderlich und es ist wichtig, Architektur in all ihren Facetten unmittelbar zu erfahren (`Exkursionen zur außereuropäischen Architektur´). Wollen wir eine Architektur schaffen, die das Lebensumfeld für alle Menschen verbessert, müssen wir mit den Studierenden dorthin schauen, wo oft noch nie ein Architekt einen Fuß in das Gefüge gesetzt hat. Dorthin, wo das Haus noch die ureigensten Bedürfnisse des Menschen befriedigt. Und das ganz selbstverständlich und ohne Spektakel.

Auch im Entwurf fordern Policy-Strategien von Organisationen wie UNO und EU vermehrt eine Einbeziehung sozio-kultureller Nachhaltigkeit in die Planung (neben technischen Lösungen bzw. ökologischen Aspekten der Nachhaltigkeit). Auch dabei spielt die Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld zwischen Globalismus und Lokalität eine zentrale Rolle. Sozio-kulturelle Aspekte stehen im Vordergrund, da holistische Formen wie Ideologien, Spiritualität, Traditionen etc. immer im direkten Zusammenhang mit sozialen Ausformulierungen des Zusammenlebens zu betrachten sind.

Ich greife in meiner Lehre gerne auf Protagonisten wie Victor Papanek, Bernard Rudofsky, Amos Rapaport, Gaudenz Domenig, Paul Oliver oder Marcel Vellinga zurück, welche wichtige Beiträge dazu geleistet haben, die Architektur von ihrem Hohen Ross herunterzuholen. Den Studierenden sollte vermittelt werden, dass die Architektur kein Instrument der Selbstdarstellung ist, sondern in erster Linie eine dienende Disziplin.

Lehrveranstaltungen

Aktuell von mir angebotene Lehrveranstaltungen sind im Vorlesungsverzeichnis der TU-Wien zu finden: https://tiss.tuwien.ac.at/course/courseList.xhtml (Suche: Rieger-Jandl)

Poster zu Lernveranstaltungen

Vorlesungen

Aktuell: Architektur und Entwicklung – bauen in einer globalisierten Welt (seit 2015)
Architektur und Identität – die neue Suche nach dem Eigenen (bis 2015)
Zeitgeschichte der Architektur – Architektur und Globalisierung (bis 2008)

Vortragsreihen

Aktuell: Architektur transdisziplinär (seit 2004)

Vorlesungen in Vortragsreihen

Aktuell: Bautechnikgeschichte (seit 2013)
„Lehmbau in Österreich“
„Lehmbautechniken im weltweiten Vergleich“

Aktuell: Architektur transdisziplinär (seit 2004)
„Architektur und Anthropologie“

Geschichte der Architekturkritik (bis 2006)
„Bernard Rudofsky – gegen den Strom“
„Weltausstellungen – Architektur im Spiegel der Zeit“

Aktuelle Tendenzen der Architektur und Kunst (bis 2005)
„Architektur und Identität heute“
„Die Identität des Ortes – Fallbeispiel Shanghai“

Rezeption und Vermittlung (bis 2003)
„Aspekte der Rezeption und Vermittlung von Architektur im trans-kulturellen Raum“

Wahlseminare

Aktuell: Wahlseminar Vergleichende Baugeschichte (seit 2012)
Wechselnde Themen:
Status und Hierarchien in der Architektur (2018)
Kellergassen – baukulturelles Erbe mit Zukunft? (2016)
Weltkulturerbe: Was heißt das? (2015)
Freilichtmuseen: Warum-was-wie erhalten? (2014)
Lehmbau in gemäßigten Klimazonen (2013)
Bauten der Ur- und Frühgeschichte (2012)
Traditionelle Bautechniken in Theorie und Praxis/Lehmbautechniken (2011)
Hausmodelle: Analyse der indonesischen Hausmodelle des Museums für Völkerkunde (2010)

Aktuell: Vertiefungsseminar (seit 2010)

Aktuell: Master/PhD Seminar (seit 2009)

Wahlseminar Architekturgeschichte (2008-2009)
Wechselnde Themen:
1:1 Bauseminar – Traditionelle Bautechniken in Theorie und Praxis/Verbindungstechniken (2009)
1:1 Bauseminar – Traditionelle Bautechniken in Theorie und Praxis/Jurte, Schwarzzelt, Grand Case (2008)

Wahlseminar Architektur als Ausdruck politischer Tendenzen (2005-2010)
Wechselnde Themen:
Architektur und Entwicklungspolitik – soziokulturelle Aspekte in der Planung (2010)
Architektur ausstellen (2009)
Interkulturelles Wohnen (2005)

Seminare

Aktuell: 1:1 Lehmbauseminar (seit 2013)
Wechselnde Themen:
Errichtung einer Lehmziegelwand bei der Archdiploma (2017)
Bau einer Lehmschule in Ghana (2017)
Sanierung der Kasbah Caid Ali, Asslim, Marokko (2016)
1:1 Lehmbaustelle im Waldökozentrum Sopron (2013-2016)

Aktuell: Architekturdokumentation und Präsentation (seit 2016)
Wechselnde Themen:
Aufbau `Netzwerk Lehm´(2018)
Organisation der 1. Österreichischen Lehmbautagung (2017)
Erstellung eines Ausstellungskatalogs für die Lehmausstellung in Sopron (2016)

Kulturvergleichende Architekturbetrachtung (2008-2012)
Wechselnde Themen:
Vertiefung zu Architektur und Identität (2012)
Vertiefung zu Architektur transdisziplinär (2011)
City Branding und Civil Society – a Controversial Relationship (2009)
Urbane Identitäten: in-site Naschmarkt (2008)

Vernakuläre Architektur (2005-2016)

Orientierungskurse für Studienanfänger (bis 2012)

Master-Entwerfen

2015 Lehmskulptur
2014 Lehm und Stroh: Alternative Wohnkonzepte in Herzogenburg
2013 Niger: Kultur- und Bildungszentrum in Tibiri
2012 Experimenteller Lehmbau im Waldökozentrum Sopron
2011 Äthiopien: Schulbau in Ali Adayto
2005 Aceh: Wiederaufbau nach dem Tsunami
2002 Titikaka: Tourismusentwicklung auf der Isla del Sol
2001 Solar Town Ladakh

Exkursionen

Exkursionen zur außereuropäischen Architektur (seit 2000)
2017 Ghana
2016 Marokko
2015 Qeshm Island/Iran
2014 Sumatra
2012 Iran
2011 Äthiopien
2010 Shanghai/China
2006 Thailand und Kambodscha
2005 Java/Indonesien
2004 Bali/Indonesien
2002 Bolivien und Peru
2001 Samoa und Fidschi
2000 Ladakh und Nord-Indien

Sonstige Lehrtätigkeit:

Regelmäßige Vorträge bei der INNES Summer School Climate Friendly Buildings:
„Earthen Architecture – Austrian and Worldwide Examples”
Gastvorträge an der Universität Wien: Institut für Kultur- und Sozialanthropologie

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